Stuttgarter AfD-OB-Kandidat marschierte im rechtsextremen Kalbitz-Block – Wir werfen einen kritischen Blick auf die Personalie Dr. Malte Kaufmann

Stuttgarter AfD-OB-Kandidat marschierte im rechtsextremen Kalbitz-Block – Wir werfen einen kritischen Blick auf die Personalie Dr. Malte Kaufmann

Die Stuttgarter Oberbürgermeisterwahl steht Anfang November 2020 bevor und wirft ihre Schatten voraus. Die AfD Stuttgart schickte dazu Anfang Juli Dr. Malte Kaufmann ins Rennen. Doch was wissen die Bürger_Innen der Landeshauptstadt tatsächlich über den Kandidaten, der Vorsitzender für die AfD-Kreistagsfraktion im Rhein-Neckar-Kreis ist und sonst offenbar keinerlei Bezüge zu Stuttgart hat?

Aber erst mal zum Allgemeinen:
Unabhängig von der normalen Prozedur des OB-Wahlkampfes, welcher in der Regel mit Informationsständen auf der Straße oder Informationsabenden vonstatten läuft, befindet der Gemeindewahlausschuss in einer öffentlichen Sitzung am 13. Oktober darüber, welche BewerberInnen, und – falls erforderlich per Losentscheid – in welcher Reihenfolge, für die Wahl die KandidatInnen zugelassen werden. Diese Liste soll am 15. Oktober im Stuttgarter Amtsblatt veröffentlicht werden. Zugelassene Kandidat_Innen können sich voraussichtlich am Dienstag, 20. Oktober, in der Hanns‐Martin‐Schleyer‐Halle öffentlich präsentieren. Die Kandidatenvorstellung soll aufgezeichnet und zeitversetzt auf www.stuttgart.de veröffentlicht werden und bis zur Wahl verfügbar sein.

Anfang Juli nominierte die AfD Stuttgart Malte Kaufmann. Dafür bedankte sich Kaufmann und schrieb auf Twitter: „Herzlichen Dank dafür! Ich freue mich auf den Wahlkampf und die OB-Wahl am 8.11. Für ein sicheres, bürgerfreundliches & starkes Stuttgart jenseits linksgrüner Ideologie!“

Wir gehen davon aus, dass die Kandidaten nur ihre positiven Eigenschaften an die Bürger_Innen bringen wollen. Deshalb haben wir uns entschieden, einen kritischen Blick auf den Bewerber der AfD zu werfen. Und siehe da – es gibt so manches über den Kandidaten, was sein Selbstbild als konservativer Saubermann erschüttern könnte.

Der feine Herr Doktor als „Keynote Speaker“ und die Posse um BASIQ 2018

Der Watch-Blog Urban-Heidelberg-Blog ging Anfang April 2018 kritisch auf eine Veranstaltung mit Kaufmann ein. Dort heißt es: 2010 bis 2015 absolvierte der Dipl.-Volkswirt Malte Kaufmann dann eine Fernpromotion im Rahmen eines europäischen Forschungsprojektes an der Wirtschaftsuniversität Bukarest und promovierte mit einer Arbeit unter dem Titel: „The Impact of Corporate Social Responsibility on Business Performance of Small and Medium-Sized Enterprises in the European Union“, und weiter: Wir sind keine Volkswirtschaftler, also können wir seine Forschungsergebnisse nicht prüfen und beurteilen. Wir müssen daher einen indirekten Approach wählen, um Dr. Malte Kaufmanns akademisches Gewicht zu messen. Dabei gehen wir von folgenden vier Fragestellungen aus (die wir – um Zeit zu sparen – auch gleich beantworten):

  1. Arbeitete Dr. Malte Kaufmann nach seinem Diplom und vor seiner Promotion in der Forschung zu volkswirtschaftlichen Themen oder in Positionen, die eine akademisch relevante Beschäftigung mit volkswirtschaftlichen Themenstellungen erforderlich machten?
    NEIN
  2. Arbeitete Dr. Malte Kaufmann nach seiner Promotion in der Forschung zu volkswirtschaftlichen Themen?
    NEIN
  3. Erregte Dr. Malte Kaufmanns Promotionsschrift weitreichende oder zumindest erwähnenswerte wissenschaftliche Aufmerksamkeit in akademischen Kreisen?
    NEIN
  4. Arbeitete Dr. Malte Kaufmann in seiner beruflichen Laufbahn in Positionen, die in irgendeiner Weise nahelegen, dass er seine Forschungsergebnisse erfolgreich in praktische Anwendungen überführt haben könnte (z. B. Gründung einer Unternehmensberatung mit Schwerpunkt Social Responsiblity für kleine und mittlere Unternehmen)
    NEIN

Als Fazit gibt der Blog an: „Nach unserer Laienmeinung ergibt sich aus Fragen und Antworten die Schlussfolgerung, dass Dr. Malte Kaufmann nicht als Keynote Speaker für ein renommiertes wissenschaftliches Kooperationsprojekt zwischen den Universitäten Bukarest und Heidelberg in Frage kommen KANN.“

Malte Kaufmann auf Twitter

Aber zurück zum Wahlkampf-Tweet und den verfassten Schlagwörtern von Kaufmann. Darin schrieb der AfD-Kandidat sinngemäß: „Das sichere Stuttgart“ jenseits „linksgrüner Ideologie“.
Bei näherer Betrachtung der Veröffentlichungen des Kandidaten auf Twitter, wird dem Leser schnell klar, dass der Kandidat nicht nur ein Möchtegern LAW & ORDER- Anhänger ist.

Vielmehr stellen die Veröffentlichungen einen regelrechten Angriff auf Menschenrechte dar. Von Ausländerfeindlichkeit, Islamfeindlichkeit bis hin zu verunglimpfenden Äußerungen gegen Politiker_Innen, die teils noch im Rahmen der Meinungsfreiheit einzuordnen sind, wird hier einiges geboten. Auch auf Kaufmann‘s abstruse Ansichten zur Umweltpolitik, dem Infektionsschutz und der evangelischen Kirche, mit ihrem Engagement der Seenotrettung, wollen wir an dieser Stelle hinweisen und ordnen seine Äußerungen als verleumderisch bis rechtsextremistisch ein.

Kaufmann´s Marsch im rechtsextremen Kalbitz-Block

Kaufmann Kalbitz Kandel
Kaufmann Kalbitz Kandel

Nachdem Ende 2017 eine Jugendliche in der Rheinland-Pfälzischen Stadt Kandel, einem Gewaltverbrechen erlag, marschieren regelmäßig Rechstextremist_Innen in der Kleinstadt auf und terrorisierten die Bürger_Innen. Die Demonstrationen sollen auch bis Ende diesen Jahres stattfinden. Wir sprechen hierbei nicht einfach von ein paar verwirrten Köpfen und „besorgten Bürgern“, sondern von einschlägig bekannten Nazi-Strukturen wie: Anhänger_Innen der Rechten-Hooligans-Szene, Freien Kameradschaften, Identitären Bewegung (IB) aus Deutschland (unter Verfassungsschutz-Beobachtung) Österreich und der Schweiz, Anhänger_innen der rechtsextremen Parteien NPD, Der III. Weg und DIE RECHTE, West-Pegida-Bewegung bis hin zu Abgeordneten und Mitgliedern der AfD und der unter Verfassungsschutz-Beobachtung stehenden Jungen Alternativen (JA). Dies belegen Recherchen von AfD-Watch Heidelberg, die „Recherche & Kultur“ vorliegen.

Dominik Stürmer NPD BW Freie Kameradschaften

Der, jenseits linksgrüner Ideologie denkende, Möchtegern LAW&ORDER-Man, Dr. Malte Kaufmann marschierte selbst im März 2018 Seite an Seite mit dem rechtsextremen, antisemitischen und völkischen Nationalisten, Andreas Kalbitz, im „rechtsextremen Block“ durch Kandel.
Zu Andreas Kalbitz´s rechtsextremer Vergangenheit hat der Watch-Blog „Volksverpetzer“ eine umfangreiche Analyse erstellt: https://www.volksverpetzer.de/analyse/rechtsextreme-biografie-andreas-kalbitz/

Wenn dies die „bürgerliche Nähe“ ist, von der Malte Kaufmann spricht, fragen wir uns, wie „rechtsextreme Nähe“ aussehen könnte und ob diese Nähe einem OB-Kandidaten für die Landeshauptstadt Stuttgart zum Problem werden könnte.

Redaktion